Auf ein Glas Leitungswasser mit... Marlon von TEIKEI COFFEE

1. Wie trinkst Du dein Leitungswasser am liebsten?

Am liebsten noch schön kalt, aus meiner Soulbottle!

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2. Wer steht hinter Teikei Coffee? Welche Rolle spielst Du dabei?

Hinter Teikei Coffee steht eine ganze Gemeinschaft von verschiedensten Menschen aus Deutschland, der Schweiz und Mexiko. Insgesamt sind wir ca. 25 Personen, die das Rad am Laufen halten: Vom Anbau bis in die Tasse macht der Teikei Coffee eine lange, spannende Reise. Wir als Team koordinieren die Abläufe, organisieren und gründen Verbrauchergemeinschaften, übernehmen die Öffentlichkeitsarbeit und vieles mehr. Gegründet wurde Teikei Coffee 2016 von Hermann Pohlmann. Hermann ist Künstler und lebt in Freiburg. Er beschäftigt sich schon seit einiger Zeit mit dem Konzept der Solidarischen Landwirtschaft und hat 8 Jahre in Brasilien gelebt und dort das Netzwerk solidarischer Landwirtschaften CSABRASIL gegründet. Teikei ist nun sein nächstes Projekt. Vor gut einem Jahr habe ich Hermann kennen gelernt, seitdem stehe ich in engem Kontakt mit ihm und übernehme an sich alles was so anfällt. Hauptsächlich arbeite ich an der Entwicklung der Strukturen unserer Organisation; ich suche z.B. neue Kooperationspartner und kümmere mich auch um die Website, den Probierladen sowie den reibungslosen Ablauf von Bestellungen. Momentan plane ich das Entladen unseres Kaffees von dem Segelschiff. Zum Entladen suchen wir immer mal Freiwillige, die uns im Hamburger Museumshafen unterstützen möchten. Infos gibt es dazu regelmäßig auf unserer Website.

3. Mit Eurer Organisation wollt Ihr solidarische Landwirtschaft von der lokalen auf die globale Ebene übertragen. Wie sieht dies bei Eurem Kaffeeanbau konkret aus und wie ist der Kontakt zu den Bauern in Mexiko entstanden?

Ja genau, wir möchten die Vorzüge einer solidarischen Wirtschaftsweise - wie z.B. Nähe, Fairness, Transparenz der Produktion und natürlich Qualität des Produktes - ausweiten, sodass auch Produkte, die hier nicht heimisch sind, weiter konsumiert werden können. Allerdings eben auf eine zukunftsfähige Art und Weise. Wir möchten das Konzept der regionalen und solidarischen Landwirtschaft aufgreifen, in der sich Verbrauchergemeinschaften Erzeuger*Innen zusammenschließen, um eine Abnahme der Ernte zu garantieren und die Ernterisiken zu teilen. Mitglieder*Innen der Teikei Verbrauchergemeinschaften finanzieren ihren Kaffeeverbrauch eines Jahres im Vorhinein. Die Bauer*Innen in Mexiko profitieren so von der Abnahmesicherheit ihres Produkts und von einem Lohn für ihren Kaffee, der im Gespräch entstanden ist. So können zum einen unsere Partner in Mexiko gut planen und müssen sich nicht um die Vermarktung usw. kümmern, sondern konzentrieren sich voll und ganz auf einen Anbau der ihnen selber, der Natur und dem Produkt zu Gute kommt. Aber auch die Seeleute der Timbercoast-Reederei und unsere Röster in Deutschland unterstützen wir durch unser gemeinschaftsgetragenes Konzept.

Der Kontakt nach Mexiko ist auf einer Tagung für biodynamische Landwirtschaft in der Schweiz entstanden. Als Teikei Coffee noch nicht mehr als eine Idee war, stellte Hermann das Projekt vor einer Gruppe Landwirte vor. Sofort meldete sich Gibran, der Gründer unserer heutigen Partnerfarm „El Equimite“, welche zu dem Zeitpunkt auch noch sehr jung war. Seither entwickeln sich beide Projekte Seite an Seite weiter. „El Equimite“ ist ein Demeter zertifizierter landwirtschaftlicher Betrieb. Dort wird zwar auch Kaffee angebaut, dieser Kaffee macht jedoch nur einen geringen Teil unseres Teikei Coffees aus. Hauptsächlich beziehen wir unseren Kaffee von Kleinbauer*Innen, die sich bei „El Equimite“ in biodynamischer Agroforstwirtschaft ausbilden lassen. Wir unterstützen also die Kleinbauer*Innen in ihrem Bestreben, einen solidarischen und zukunftsfähigen Kaffeeanbau zu realisieren.

4. Auf Eurer Website kann man Teil der Gemeinschaft werden und Ernteanteile für seinen eigenen Kaffee erwerben. Welche Vorteile bietet eine solche Verbrauchergemeinschaft Euch und den Bauern? Muss man Teilnehmer sein, um den Kaffee erwerben zu können?

Ein großer Vorteil ist es, dass sich Verbrauchergemeinschaften selbständig organisieren und ihre Bestellungen bündeln . Das bedeutet für uns, dass wir viele umfangreiche Lieferungen haben. Die sind dann gut planbar, da die Liefertermine und deren Dimensionen im Vorhinein feststehen. Das spart natürlich zum einen Arbeitszeit und zum anderen, was für uns viel wichtiger ist, es reduziert den ökologischen Fußabdruck.Denn durch den Versand von großen Kaffee-Paketen vermeiden wir es, viele kleine Einzelbestellungen auf postalischem Weg zu versenden.

Für die Kaffeebauer*Innen ist das gemeinschaftsgetragene Vorgehen vorteilhaft, da sie vorab wissen, dass ihr Kaffee in jedem Fall verteilt wird und so ihr Einkommen, unabhängig von Preisschwankungen am globalen Markt, gesichert ist. Auch das Ernterisiko lastet nicht mehr einzig und allein auf ihren Schultern, sondern wird kollektiv von der Gemeinschaft getragen.

Von einer solidarischen Verbrauchergemeinschaft profitieren aber insbesondere auch die Verbraucher*Innen selbst. Zum einen können sich die Mitglieder der Gemeinschaft untereinander austauschen und sich gegenseitig über Kaffee im Allgemeinen und Vorgänge bei Teikei Coffee informieren. So kann Konsum bzw. Genuss Menschen zusammenführen. Zum anderen kann man sich aber auch innerhalb einer solchen Gemeinschaft solidarisieren, wenn zum Beispiel ein Mitglied der Gemeinschaft sagt, es könne sich nur 20 €/kg leisten, so kann ein weiteres, wohlmöglich finanziell besser gestelltes Mitglied, dies kompensieren, indem es einen etwas höheren Preis für dessen Anteil zahlt. Das ist allerdings alles keine Pflicht, dies geschieht im Dialog innerhalb einer jeden Verbrauchergemeinschaft. Ganz nach dem Motto: alles kann, nichts und niemand muss! Man kann auch als Einzelperson Teil der Gemeinschaft werden oder den Kaffee zunächst mal in unserem Onlineshop zum Probieren bestellen.

5. Was geschieht bei Ernteausfall? Geht man als Teilhaber ein Risiko ein?

Ja, das ist unser Ziel. Die Idee ist, dass die Erzeuger*Innen eines Produktes nicht mehr allein dieses Risiko tragen müssen, sondern dass es von der Gemeinschaft getragen wird. Nicht selten werden landwirtschaftliche Betriebe durch Ernteausfälle ruiniert, so gut wie nie können die Erzeuger*Innen etwas dafür. Viel mehr sind es Krankheitsbefälle oder extreme Witterungsbedingungen, die die Ernte beeinträchtigen können. Als Verbraucher kriegen wir von diesen Risiken und Schattenseiten des Wirtschaftens allerdings nur selten etwas mit. Wir genießen nur die erwirtschafteten Produkte, wenn die Ernte gut läuft. Wir bei Teikei sind der Überzeugung, dass dies ein Missstand ist und es nur fair ist, wenn Risiken von alle Beteiligten gemeinsam getragen werden. Umgekehrt bedeutet das aber auch, dass man bei einer guten Ernte mehr bekommt als zunächst angenommen. Jedoch befinden wir uns momentan noch in der Aufbauphase von Teikei Coffee und entwickeln Strukturen, um diesen Aspekt des Projekts umsetzen zu können. In den ersten Jahren wird der Preis stabil gehalten, bei 29 €/kg, aktuell tragen die Verbraucher*Innen also kein Risiko.

6. Die Ware wird mit dem Segelschiff Avontuur von Mexiko nach Deutschland transportiert. Die Überfahrt dauert zwei Monate, da das Schiff ausschließlich durch die Kraft des Windes angetrieben wird. Welche Vorteile bietet diese Form des Transportes und seht ihr dies als realistische Alternative zu Containerschiffen für den Welthandel?

Der Transport mit dem Segelschiff liegt uns sehr am Herzen. Die Containerschifffahrt hat ungeahnte Ausmaße angenommen und damit auch ihre vielfältigen schädlichen Einflüsse. Neben den immensen Emissionen von Kohlenstoffdioxiden und Stickoxiden, die die Klimaerwärmung vorantreiben, spielt auch die Verschmutzung eine Rolle. Nicht nur Schweröl, welches häufig genug seinen Weg in den Ozean findet und die maritimen Ökosysteme belastet, sondern auch Lärm-Emissionen von Schiffsmotoren und Schiffsturbinen stören das marine Leben erheblich. Schall wird unter Wasser viel weiter getragen als in der Luft, gerade geräuschsensible Lebewesen wie Wale werde also stark von diesem Lärm gestört. All dies kann durch den Transport mit der Avontuur verhindert werden. In diesem Punkt sind wir uns alle einig: dies ist die optimale Transportweise für unseren Kaffee.

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7. Im Mai 2018 kam die erste Ladung Kaffee mit der Avontuur im Hamburger Hafen an. Wie verlief die und was sind Eure Pläne für die Zukunft?

Ganz genau! Nach der Entladung von der Avontuur brachten wir die grünen Kaffeebohnen ins Lager, von wo die zum Röster transportiert wurden. Das war alles total aufregend! Rund 11 Tonnen grüne Kaffeebohnen wogen nach der Röstung noch gute 9 Tonnen. Diese gilt es im Laufe des Jahres zu verteilen. Unsere Gemeinschaft ist aktuell noch klein. Erst gute 2 Tonnen der 9 sind bereits verteilt. Ein großer Teil unserer Arbeit besteht also darin, unsere Verbrauchergemeinschaft zu vergrößern, um mehr Kaffeebäuer*Innen in Mexiko in unsere Gemeinschaft aufnehmen zu können. Es gilt also weiter Menschen von dieser Art des Wirtschaftens und von unserem leckeren Kaffee zu begeistern. Wir möchten weiter an unseren Strukturen arbeiten und es Menschen leichter machen, eine Verbrauchergemeinschaft zu gründen und zu organisieren. Dafür möchten wir den Menschen Anleitungen und „Werkzeuge“ an die Hand geben. Wir planen bald noch weitere Produkte auf diese Art und Weise zu handeln, es wird dann auch noch Teikei Chocolate, Teikei Spices“, Teikei Tea und einige mehr geben!

Vielen Dank für das Gespräch!

Bildnachweise: TEIKEI COFFEE

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