Auf ein Glas Leitungswasser mit... Ozeankind

Moin liebe LeserInnen! Heute dreht sich bei uns auf dem Blog mal wieder alles rund um die Themen Plastik und unsere Ozeane. Zu Wort kommen dieses Mal Marina und Micha, die sich mit Ihrem Blog und Projekt Ozeankind gegen die Verschmutzung unserer Ökosysteme einsetzen. Wie die zwei dazu kamen, warum es eine fantastische Lösung ist selbst anzupacken statt darauf zu warten, dass Andere es tun und wie & warum jeder von uns ebenso einen aktive(re)n Teil zum Schutz unserer Umwelt beitragen kann und sollte, erfahrt Ihr im heutigen Interview.

Vorweg möchten wir noch kurz auf den geplanten (Beach) Clean Up der beiden am 10.12.2017 hinweisen. Wir werden an dem Tag selbst auch ein bisschen Müll sammeln gehen & würden uns freuen, wenn Ihr Euch den beiden ebenso anschließt. Nun aber viel Spaß mit dem Interview:

1. Das Thema Wasser steht auf Eurem Blog Ozeankind hoch im Kurs. Was verbindet Euch beide persönlich mit unseren Ozeanen und dem Thema Meeresschutz?

Die Liebe zum Ozean. Es gibt für uns keinen schöneren Ort auf dieser Welt. Nirgendwo auf diesem Planeten sind wir so glücklich wie in der Nähe eines Ozeans - wenn immer möglich verbringen wir täglich mehrere Stunden im Wasser, beobachten Fische, schwimmen und suchen nach Haien oder Schildkröten. Immer wenn wir den Ozean sehen, riechen oder fühlen sind wir glücklich und vergessen alles andere um uns herum. Diese vielen Farben des Wassers, die bunten Fische, es ist einfach ein Wunder für uns. Außerdem: es ist für uns unbezahlbar, abends vor dem Einschlafen das Meer zu hören und morgens, wenn man aufwacht, ist es immer noch da.

Das Thema Ozeanschutz mit allem was dazu gehört ist einfach unser Herzensprojekt - das merken wir alleine schon daran, dass wir Tränen in den Augen haben, wenn wir zusehen müssen wie ein Walhai von einem Seil befreit werden muss, wenn Haien die Flossen abgetrennt werden oder wenn Schildkröten darunter leiden müssen, dass wir unsere Cocktails am Strand nicht ohne Plastik-Strohhalm trinken möchten - und das alles nur, weil sich viele Menschen nicht mäßigen können oder wollen. Das tut uns weh.

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Unser ganz persönliches Paradies ist in Gefahr - und wir möchten unseren Teil dazu beitragen, dass auch die Menschen nach uns noch Schildkröten im Meer sehen können, statt sie ausgestellt im Museum zu besuchen. Wir können nicht weiter zusehen und einfach so weitermachen wie bisher.

Und in einer ganz wichtigen Sache sind wir uns beide absolut einig - wir werden immer unserem Herzen folgen und versuchen, das zu tun was wir lieben. Unsere Prioritäten im Leben haben sich geändert: Früher wollten wir möglichst viel Geld verdienen, ein tolles Auto fahren und in einer schicken Wohnung leben. Heute möchten wir Plastik sammeln, Menschen mit unseren Geschichten erreichen und Schildkröten das Leben retten.

2. Ihr wolltet Euch eigentlich nur kurz eine Pause und einjährige Lücke im Lebenslauf genehmigen und im Anschluss einfach weiter machen wie zuvor. Wann wurde Euch bewusst, dass ihr nicht in Euer altes Leben zurück wollt, sondern stattdessen ein eigenes Projekt auf die Beine stellen und etwas bewegen möchtet?

Wir waren ja schon immer viel unterwegs und haben uns verschiedene Orte auf dieser Welt angeschaut. Wir lieben es einfach, gerne auch mal abseits der Pfade und vor allem abseits des Massentourismus, die verschiedenen Länder und Kulturen zu genießen. Es gibt einfach soviel mehr auf dieser Welt.

Doch eines haben wir in den vergangenen sieben Jahren immer gemerkt - so ne Woche oder 14 Tage ohne Ozean gefällt uns nicht. Wir werden nervös, sind genervt, einfach weil uns das Meer fehlt. Der Wind, die Wellen, die Geräusche…Und dann kam irgendwie dieser ganz besondere Malediven-Urlaub dazwischen - aber nicht auf einer Hotelinsel, sondern auf einem Boot. Vor etwas mehr als einem Jahr waren wir also mit einem kleinen Katamaran in 10 Tagen insgesamt ungefähr 40 Stunden schnorcheln - wir haben also fast nichts anderes gemacht als Schnorcheln, Essen und Schlafen. Wir haben unfassbar tolle Dinge gesehen - aber eben auch Dinge, die uns zutiefst schockiert haben. PLASTIK. Plastik auf einsamen Inseln, Plastik im Meer, Fische die an Plastik knabbern, Korallen mit Plastik-Deko und ganz viele andere traurige Dinge.

Ohne Internet und Fernsehen mitten im Indischen Ozean hat man Zeit nachzudenken. Verdammt viel Zeit. Wir haben über unser Leben nachgedacht, über unsere Zukunft und vor allem über unser ganz eigenes persönliches Verhalten in der Vergangenheit - haben uns die Frage gestellt, was eigentlich im Leben wirklich wichtig ist.

Als wir dann wieder zurück in Düsseldorf waren, haben wir beschlossen: NEIN. Eine Weltreise reicht uns nicht, wir MÜSSEN das Reisen mit dem Ozeanschutz verbinden!

Wir wollten nicht einfach weiter dabei zusehen, wie wir alle zusammen in eine Katastrophe schlafwandeln. Und so wurden die ganzen Ideen geboren, die dann später den Namen Ozeankind bekommen haben.

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3. Welche Fakten zum Thema Plastik sollten jedem von uns bekannt sein? Warum ist es so wichtig jetzt zu handeln?

Es ist tatsächlich sprichwörtlich 5 vor 12. Jeder kennt die Videos von der Schildkröte mit dem Strohhalm in der Nase oder von dem Wal, in dessen Magen man 30 Plastiktüten gefunden hat. Aber wir ändern leider noch zu wenig. Wir schlafwandeln in eine Katastrophe.

Im übertragenden Sinne entsorgt die Menschheit jede Minute etwa eine LKW-Ladung im Ozean. Jede Minute. Einen LKW. Natürlich sind die fünf Länder Thailand, Vietnam, China, Indonesien und die Philippinen für den Großteil dieser riesigen Menge verantwortlich, jedoch ist es nicht so als wären wir in Europa oder in Deutschland deshalb gleich automatisch unschuldig. Und es ist ja auch nicht der Ozean dieser Länder, vielmehr sind doch alle Ozeane dieser Welt miteinander verbunden - und somit ist es am Ende unser aller Problem.

Beispiel: wenn es in einem Land am anderen Ende der Welt keine Fische mehr gibt, weil wir Industrienationen alles leer fischen und die Riffe zerstören, die Haie töten und unser Plastik am Strand vergessen - was sollen die Menschen denn machen, wenn sie nichts mehr zu essen haben? Diese Menschen müssen doch irgendwo hin. Der Müll muss irgendwo hin.

Wir alle sollten unser Verhalten ein wenig anpassen, so schwierig das vielleicht auch manchmal sein mag. Wir können uns leider nicht darauf verlassen, dass sich die Situation von ganz alleine verbessert.

Denn zusammen mit unseren Kindern sind wir sind die letzte Generation, die dieses Problem in den Griff bekommen sollte. Der Ozean kann ganz gut ohne uns leben, das hat auch vor uns Millionen Jahre lang ganz gut funktioniert - wir allerdings können nicht ohne den Ozean überleben. Hört sich an wie eine Floskel, ist aber doch die Realität.

Wenn wir schon den Ozean nicht retten wollen, dann doch vielleicht uns?

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4. Am 10.12.2017 findet Euer zweiter #plastikrebell Beach Clean Up statt. Wie und wo kann man dabei sein?

Bei unserem #plastikrebell Clean Up kann wirklich jeder dabei sein. Es ist völlig egal wo man am 10. Dezember ist - Hauptsache man hat Lust und vielleicht ein paar Minuten Zeit, sich für eine gute Sache einzusetzen. Es ist zweitrangig, wie viele man sammelt oder wo man ist. In der heutigen Zeit ist es leider so, dass man fast überall Plastik findet. Denn bei unseren weltweiten #plastikrebell Clean Ups geht es neben dem Plastiksammeln selbst natürlich auch vor allem um das Bewusstsein, um mehr Aufmerksamkeit für dieses Thema!

Menschen, die vor der Nase anderer Plastik sammeln, mitten in Dortmund, Hamburg oder Berlin, und das auch noch freiwillig, sind noch immer ein Hingucker und regen vielleicht den einen oder anderen zum Nachdenken an. Und wenn es am Ende nur ein Mensch ist, den man erreicht, so haben wir schon eine ganze Menge erreicht. Uns geht es auch darum, möglichst vielen Menschen diesen Unsinn von „ich kann ja selbst nichts machen“ und „die anderen sind eh Schuld, die Industrie muss was machen, die Politik, …“  sagen wir mal „auszureden“. Gerade wir Deutschen zeigen ja gerne mit dem Finger auf andere Regionen der Welt, in denen der Müll mehr oder weniger direkt in den Fluss oder ins Meer gekippt wird. Das mag auch alles stimmen - dennoch kann und darf das keine Generalentschuldigung für uns sein.

Klar muss eine ganze Menge mehr passieren in Politik, Industrie und Handel. Und „nur“ weil wir jetzt hier und da auf der ganzen Welt ein paar Kilo Plastik sammeln, löst sich das Problem auch nicht plötzlich von selbst. Aber es ist eine klare Message, wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Plastikteile sammeln und am Ende mehrere hundert Kilo zusammenkommen. Und wer weiß schon, welches Gewicht wir dann beim 100. #plastikrebell Clean Up erreichen? Wie viele Unternehmen, wie viele Blogger, wie viele Menschen mitmachen?

5. An welchem Ort werdet Ihr selbst bei Eurem zweiten großen Clean Up unterwegs sein & wo geht es für Euch danach als nächstes hin?

Es ist uns ja fast ein bisschen unangenehm, aber wir werden wieder mal auf den Malediven sein - wir lieben dieses Fleckchen Erde einfach. Jedes Mal wenn wir aus dem Flughafengebäude kommen, überkommt uns so ein Gefühl von „endlich wieder da“ und uns stehen fast die Tränen in den Augen. Jeder Mensch, der die Möglichkeit hat, diesen Ort mindestens einmal im Leben zu besuchen wird vermutlich auch sofort verstehen, warum die Unterwasserwelt der Malediven eine ganz wichtige Rolle dabei spielt wenn man uns fragt, woher unsere Inspiration für Ozeankind kommt.

Wir haben uns aber nicht auf irgendeiner Hotelinsel einquartiert, sondern möchten die echten Malediven kennen lernen - auf einer Einheimischen-Insel. Natürlich und gerade deshalb auch mit allen Problemen, die es auf Inseln wie Thulusdoo gibt - insbesondere was das Müllproblem betrifft. Danach verbringen wir Silvester und auch vermutlich noch eine unbestimmte Zeit in Malaysia. Und dann? Dann gibt es tatsächlich noch keinen Plan. Wir haben viele Ideen - aber wo wir am Ende landen wissen wir wirklich noch nicht. Wir werden aber vermutlich erstmal in Asien bleiben.

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6. Eure Vision ist es, bis 2022 selbst 14.000kg Müll einzusammeln und zeitgleich 50.000 weitere Kilo gemeinsam mit anderen zu sammeln. Gibt es einen Grund, warum Ihr Euch für diese Zahlen entschieden habt?

Ja, dafür gibt es Gründe. Unsere Mission, die 14.000 Kilo wieder einzusammeln, ergeben sich aus der Kombination aus unserem Alter und dem deutschen Durchschnitt, was die Produktion von Verpackungsmüll betrifft. Zusammen sind wir 67 Jahre alt und jeder Deutsche produziert im Schnitt etwas mehr als 200 Kilogramm Verpackungsmüll - das ergibt ungefähr 14.000 Kilo.

Wir haben früher auch nicht wirklich auf Plastik geachtet, haben zum Beispiel Cola oder Wasser in PET-Flaschen gekauft, Obst in Plastiktüten durch den Laden getragen und uns Mikroplastik ins Gesicht geschmiert. Die 50.000 Kilo, die wir gemeinsam mit möglichst vielen anderen Menschen sammeln möchten - unsere Vision - sind das ungefähre Gewicht eines riesigen Containers. Und die Zahl hörte sich auch einfach gut an! Am Ende geht es aber gar nicht darum, ob es nun 49 Tonnen oder 51 Tonnen sind - es geht um die Message und das Bewusstsein für die schiere Menge an Plastik, vor der man den Ozean bewahrt hat. Jede Flasche, jeder Strohhalm den wir aufheben, ist wichtig!

Es ist jedes Mal ein minimaler Aufwand - aber man stelle sich vor jeder von uns der am Strand unterwegs ist, würde den Müll aufheben über den er heutzutage fast überall auf der Welt stolpert, statt ihn liegen zu lassen.

Wie war das afrikanische Sprichwort: Wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern. Und so ist es auch einfach. 

7. Plastik sammeln in allen Ehren, aber am besten wäre es doch, wenn wir alle direkt bei unserem Konsumverhalten ansetzen. Welche Tipps für ein umweltfreundlicheres & verpackungsfreieres Leben wollt Ihr anderen mit auf den Weg geben?

Das wäre am besten, das ist korrekt. Trotzdem ist es notwendig Plastik zu sammeln - denn selbst, wenn wir alle unser Konsumverhalten ändern würden, muss trotzdem irgendjemand das Plastik, was bereits in der Natur liegt, einsammeln. Daran ändern auch kein Ozeansäuberungsprojekt und kein Zero-Waste-Lifestyle etwas. All diese Projekte, Bewegungen und Ideen helfen dabei, das Problem langfristig zu lösen - aber der Müll bleibt halt trotzdem liegen, wenn ihn niemand aufhebt.

Aber ja, wirklich jeder kann seinen Teil beitragen - auch mit ganz einfachen Dingen, die man von heute auf morgen ohne großen Aufwand ändern kann - die aber eine große Wirkung haben. Zum Beispiel durch den Verzicht auf Plastikstrohhalme, das Trinken von Wasser aus dem Wasserhahn oder aus Glasflaschen, durch mikroplastikfreie Kosmetikartikel, die Nutzung eines Mehrwegbechers für den Coffee-to-go, einen Beutel für den Einkauf statt der Plastiktüte oder den Verzicht auf verpackte Lebensmittel vor allem an der Obst- und Gemüsetheke.

In den Städten in denen es bereits Unverpackt-Läden gibt, sollte man sie auch unbedingt nutzen. Wir haben kurz vor unserer Abreise aus Deutschland immer mal wieder unsere eigenen Unverpackt-Läden eröffnet - im Rewe, im Lidl oder im Aldi. Wir haben manche Sachen einfach an Ort und Stelle ausgepackt - das war vermutlich nicht erlaubt - wir wissen also nicht ob man das unbedingt nachmachen sollte. :)

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