Auf ein Glas Leitungswasser mit... Zero Waste Austria

Heute möchten wir euch den Verein Zero Waste Austria vorstellen und haben hiefür „Auf ein Glas Leitungswasser“ mit der Gründerin Helene gequatscht. Die Mission des Projekts lautet „Schritt für Schritt gemeinsam zu weniger Müll“ und soll Zero Waste in Österreich noch bekannter machen und eine müllfreie Unternehmenskultur zu fördern. Wie Zero Waste Austria diese Ziele erreichen möchte, erzählt Euch Helene im heutigen Interview.

1. Wie trinkst Du dein Leitungswasser am liebsten?
Am liebsten trinke ich gutes, kaltes Wiener Hochquellleitungswasser in meiner Edelstahltrinkflasche.

2. Welchen persönlichen Bezug hast du zum Thema Zero Waste? Gab es einen ausschlaggebenden Moment, der dich den Entschluss fassen ließ, kein Plastik mehr zu verschwenden?
Es war und ist ein Prozess bei mir privat Plastik und unnötigen Müll zu vermeiden. Es war mir Helene - von Zero Waste Austria - immer ein Anliegen, ich habe selbst während dem Studium eine Art „Unverpacktladen“, damals gab es das Konzept noch nicht, eröffnet und einige Jahre geführt. Vor ca. 4 Jahren hatte ich das Problem, dass unsere Mülltonne beim Haus oft am überquellen war (wir teilten sie uns für 2 Haushalte). Kurz dachte ich, ich müsste eine größere bei der Gemeinde bestellen. Der Gedanke schien mir so in die falsche Richtung zu gehen, dass ich begonnen habe, Alternativen zu suchen, wie wir unseren Restmüll verringern können. Wir haben zwar noch immer Restmüll, aber das Problem, dass die Tonne zu klein ist, haben wir schon lange nicht mehr. Ich bin sehr dankbar durch meine Arbeit eine ständige Motivation zu haben, besser in der Müllvermeidung zu werden, denn ich kenne das nur zu gut. Es gibt immer viele Ausreden, zu wenig Zeit und in der Familie zu viele Wünsche, …. Auch wenn wir noch lange nicht Restmüllfrei sind, haben wir doch deutlich weniger als der Durchschnitt und es freut mich, wenn meine Kinder schon jetzt einen sehr bewussten Umgang zu Verpackung haben.

3. Zero Waste Austria hat es sich zum Auftrag gemacht, eine plastikfreie Unternehmenskultur zu fördern. Wie sieht eure Arbeit konkret aus? Wie gestaltet sich die Vernetzung von Akteuren im nachhaltigen Bereich?

Ja genau, Ziel ist eine ressourcenschonende Unternehmenskultur, aber Plastik ist da natürlich ein großes Thema. Die Arbeit und Mission unterteilt sich konkret in: Bewusstseinsbildung via Facebook, Website und Veranstaltungen und Projektarbeit wie zum Beispiel das Projekt zur Abfallvermeidung in der Hotellerie und gegen Lebensmittelverschwendung. Ein großer Teil ist auch die Vernetzung und die Förderung von Unternehmen, die Lösungen bereits leben und anbieten. Diese Vernetzung passiert als Teil der Kooperationen zur Zero Waste Card.

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4. Seit Dezember 2017 kann jeder, der möchte ein förderndes Mitglied von Zero Waste Austria werden. Mit der Mitgliedschaft erhält man eine Zero Waste Card. Was hat es mit dieser Karte auf sich?

Mit der Zero Waste Card, übrigens eine wunderschöne Karte aus Holz, bekommt man bei derzeit über 30 österreichischen Unternehmen, die sich für eine ressourcenschonende Welt einsetzen, Rabatte. Die Karte ist ab Ausstellungsdatum 1 Jahr gültig. Durch den Erwerb der Mitgliedschaft unterstützt man die Arbeit von Zero Waste Austria und fördert nachhaltige Unternehmen, eine Welt zu schaffen, wie wir sie uns wünschen und wir auch brauchen. Teilnehmende Unternehmen sind zum Beispiel Unverpacktläden bei denen du 5% bzw. 10% bei jedem Einkauf erhältst, Fitnesskleidung aus upgecycleten Fischernetzen oder veredelte ungenutzte Früchte bis hin zu Trockenshampoos und vielem mehr.

5. Ihr habt ein Projekt zur Reduzierung von Abfall in der Hotellerie gestartet. Dazu wollt ihr Ende 2020 einen Zero Waste Leitfaden veröffentlichen, wofür ihr ihr auch in eurer Community nach Hilfe sucht. Wie stellt ihr euch diese Hilfe vor?

Inspiration. Einerseits was sich Hotelgäste, die viele von uns von Zeit zu Zeit sind, wünschen, was sie akzeptieren würden und anderseits auch einfach auch das Wissen mit uns teilen, was man in Hotels in anderen Ländern schon gesehen hat. Ich war zum Beispiel einmal in einem SPA in Schweden. Dort gab es wiederverwendbare, hochqualitative Badeschuhe. Bei den Hotelbegehungen für das Projekt, sehe ich in allen Spabereichen Einwegbadeschuhe und als Antwort bekomme ich, dass es keine Alternative gibt. Aber ich habe sie in Schweden gesehen. Ich habe den Kontakt hergestellt und werde nun recherchieren, ob diese wiederverwendbaren Badeschuhe eine rentable Alternative für motivierte Hotels auch bei uns wären. Solche Beispiele und andere Wünsche wären eine tolle Unterstützung für das Projekt Abfallvermeidung in der Hotellerie.

6. Du gibst dieses Jahr einige Workshops und hältst gut besuchte Vorträge zum plastikfreien Leben. Wie erklärst du dir, dass das Interesse an diesem Thema gerade so groß ist?

Es ist ein weltweiter Trend, der nicht mehr aufzuhalten ist. Ich glaube viele Menschen möchten aus unserer Überfluss- und Wegwerfgesellschaft aussteigen. Sich wieder auf Qualität besinnen. Qualität bei Produkten, Essen und bei Aktivitäten. Zero Waste bietet da viele Handlungsalternativen und zeigt auch wie es möglich ist, sich Qualität/Lebensqualität zu leisten. Durch die Reduktion aufs Wesentliche. Bei den Workshops und den Vorträgen wird viel altes Wissen wieder neu belebt, es ist ja nichts neues nicht so viel unnötigen Müll zu verursachen. Altes neu entdecken und vor allem schätzen zu lernen, bedeutet für mich auch Zero Waste.

Neben den klassischen Zero Waste Tipps, sich eine wiederverwendbare Trinkflasche, Stofftasche und Edelstahldose anzuschaffen (sind wirklich sehr praktisch und verschönern einem das Zero Waste Leben), denke ich ist es sehr wichtig Gleichgesinnte zu haben. Durch die ständige Inspiration und Motivation von außen bleibt man dran und kommt auf Dinge, an die man selber nie gedacht hat. Vielleicht hast du jemanden in deinem Freundeskreis, mit dem du dich austauschen kannst, aber falls nicht, oder auch zusätzlich, ist es eine Bereicherung sich online auszutauschen, Zero Waste Austria und Zero Waste Bloggerinnen zu folgen und sich in einer Onlinegruppe zu vernetzen. Bei den Zero Waste Austria Treffen und Workshops lernt man auch viele Menschen kennen, die für das Thema brennen.

Vielen Dank für das Gespräch und Deine Zeit.

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