Eine Woche müllfrei leben – Der Zero Waste Selbstversuch!

Ich bin Steffi und mache gerade ein Praktikum bei HYDROPHIL. Durch meine Arbeit hier bin ich sensibilisiert für das Thema Plastik und mir ist aufgefallen, dass ich im Alltag sehr viel Kunststoff entsorge. Allein beim Lebensmitteleinkauf ist alles in Plastik verpackt: Von Brokkoli und Salat über Getreide, wie Reis und Nudeln, bis hin zu Pflanzenmilch und Süßigkeiten wird alles nur in einem Verpackungsbehältnis angeboten.

Abgesehen vom Lebensmittelbereich lauern aber auch bei Hygieneprodukten und Kosmetik nahezu überall Plastikverpackungen. Das hat mich sehr zum Nachdenken angeregt und ich habe zum Thema "Müllfrei Leben" recherchiert. Es gibt etliche Blogs von Menschen, die sich mit Zero Waste beschäftigen und Tipps geben, wie man selbst im Alltag keinen Müll mehr erzeugt. Dort habe ich mich also erstmal grob informiert um zu erfahren, was die Grundgedanken von Zero Waste sind. Dazu gibt es auch bereits hier einen Beitrag auf unserem Blog.

Doch was ist an Plastik eigentlich so schlimm?
Produkte aus Kunststoff sind stabil und haltbar. Was im täglichen Gebrauch praktisch erscheint, kann sehr negative Auswirkungen auf unsere Umwelt haben. So wird das Material in der Natur nicht abgebaut, sondern durch den Lauf der Zeit lediglich zerkleinert. Es dauert über 400 Jahre, bis sich eine Plastikflasche in winzige Partikel zersetzt. Deshalb leidet die Umwelt unter immer größeren Mengen an Mikroplastik. Die Belastung der Meere ist enorm: Nach aktuellen Schätzungen landen jährlich bis zu 12,7 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren. Dies muss man sich einmal bildlich vorstellen. Wie Marina und Micha von Ozeankind in unserem Interview im Dezember letzten Jahres hier auf dem Blog bereits erwähnt haben, entsorgt die Menschheit jede Minute etwa eine LKW-Ladung im Ozean. Diese Vorstellung scheint so absurd, ist aber leider ein Fakt.

Doch wie kommen diese Unmengen an Plastik ins Meer?
Laut Umweltbundesamt stammt 80 Prozent des Plastikmülls in den Meeren aus dem Binnenland und gelangt vor allem durch Flüsse in die Meere. Dies geschieht meist durch unsachgemäß entsorgten Plastikabfall. So wird dieser direkt in Flüssen, Seen und Meeren entsorgt oder landet durch Wind im Wasser. Der Abfall stammt hierbei aus öffentlichen Mülleimern, Mülldeponien, Industrieanlagen oder auch der Landwirtschaft. Sind die Mikroplastikpartikel erst einmal in den Gewässern, so können sie schwer wieder daraus entfernt werden.

Fische und andere Unterwasserlebewesen nehmen außerdem die Plastikpartikel über ihre Nahrung auf, wodurch ihre Kiemen und ihr Magen-Darm-Trakt geschädigt werden. Kein Wunder, denn in weiten Teilen des Meeres gibt es mittlerweile sechs Mal mehr Plastik als Plankton.

Wenn der Plastikabfall mit der aktuellen Geschwindigkeit voranschreitet, befinden sich, nach Schätzungen von Wissenschaftlern, im Jahr 2050 drei Mal mehr Plastik im Meer als Fische.

Plastik gefährdet jedoch nicht nur die Fische, sondern auch uns Menschen, denn vor allem Mikroplastik ist besonders gesundheitsgefährdend. Phthalate, also Weichmacher, die vor allem in Kosmetikprodukten wie Duschgels oder Peelings vorkommen, wirken genverändernd auf unseren Körper. Mikroplastik aus Kosmetikprodukten gelangt durch Abwasser in Gewässer, da Kläranlagen es nicht ausreichend filtern können.

Hauptverursacher des Plastikmüllproblems sind die Länder China, Indonesien, Vietnam, Thailand und die Philippinen. Diese sind für die Hälfte der Plastikverschmutzung weltweit verantwortlich. Ein wichtiger Schritt ist die Verbesserung des Müllmanagement in diesen Ländern. Das heißt aber nicht, dass wir nichts tun können. Jeder Deutsche wirft pro Jahr im Schnitt 450 kg Haushaltsmüll weg. Das sind mehr als ein Kilo am Tag. Bei Mülltrennung kann nur ein kleiner Anteil davon recycelt werden, was auch einen hohen Energieaufwand mit sich bringt. Der größere Teil wird verbrannt, was der Umwelt schadet. Die Ausmaße des Plastikmüllproblems sind leider viel zu wenigen Menschen bekannt. Seit 1950 wurden 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoff erzeugt, wovon 600 Mio. Tonnen recycelt und 800 Mio. Tonnen verbrannt werden. 35 Prozent des weltweiten Plastikverbrauchs sind alleine auf Verpackungen zurückzuführen. Um dem entgegenzuwirken ist die logische Konsequenz, die Verwendung von Plastik zu vermeiden oder mindestens zu reduzieren. Je weniger Plastik im Umlauf ist, desto geringer ist das Risiko, dass es in die Umwelt gelangt. Außerdem schützt man durch Vermeidung giftiger Stoffe wie BPA die eigene Gesundheit.

Gesagt, getan. Ich versuche nun eine Woche komplett müllfrei zu leben.
Zu Anfang habe ich mich grob über die Thematik informiert, besitze bereits nachhaltige Hygieneprodukte, wie festes Shampoo, Seife oder die nachhaltige Zahnbürste aus Bambus. Außerdem habe ich bei jedem Einkauf einen Jutebeutel oder Rucksack dabei und befülle meine Glasflasche immer wieder mit Leitungswasser. Dennoch bin ich noch nicht vollständig mit plastikfreien Produkten ausgestattet und bin gespannt, welche Hindernisse die kommenden Tage auf mich zukommen.

Zuerst gehe ich im Supermarkt einkaufen, wo ich gegen meine Erwartungen eine große Ausbeute mit nach Hause nehmen kann: Kartoffeln, Kartotten, Spitzkohl, Kohlrabi und Auberginen landen auf dem Band. Damit kann man ein paar Gerichte zaubern. Auch beim Bäcker ist es kein Problem, die Brötchen in meine mitgebrachte Stofftasche gepackt zu bekommen. Nach kurzer Verwirrung erzähle ich dem Herrn hinter der Theke von meinem Selbstversuch und er zeigt großes Interesse und wünscht mir viel Erfolg. Während der Woche war ich in verschiedenen Supermärkten und habe ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Die eine Kette führt fast nur in Plastik verpacktes Obst und Gemüse, im anderen Supermarkt ist ein großer Teil der Ware unverpackt.

In einer Großstadt wie Hamburg gibt es gleich mehrere Läden mit komplett unverpacktem Sortiment. So schaue ich beim Unverpackt-Laden Stückgut in Hamburg Ottensen vorbei. Dort gibt es ein großes Angebot von Getreidesorten, Nudeln oder Reis, aber auch Kosmetikprodukte, Waschmittel, Öl und viele weitere Produkte, die man sich in seine mitgebrachten Behältnisse füllen kann. Außerdem können Behälter für den Einkauf vor Ort mit Pfandsystem geliehen werden. Ich habe nur ein kleines Glas von Zuhause mitgebracht und nutze deshalb zusätzlich eines der Pfandgläser im Laden. Ich bin erstmal unsicher, wie man jetzt vorgeht und frage beim Personal nach, woraufhin mir das Vorgehen erklärt wird: Erst wiegt man sein leeres Glas, schreibt dessen Eigengewicht darauf und an der Kasse wird der komplette Inhalt gewogen. Das Einkaufserlebnis ist zum Anfang etwas ungewohnt und ich frage mich, wie teuer der Einkauf werden wird. Umrechnen ist nicht so meine Stärke, deshalb entscheide ich mich für ein großes Glas voller Nudeln und eine kleinere Menge an Zahnputztabletten, die ich schon lange mal ausprobieren wollte. Ca. 4 Euro zahle ich für meinen kleinen Einkauf und beschließe wiederzukommen.

Was Lebensmittel anbelangt, fällt mir die müllfreie Lebensweise überhaupt nicht schwer. Ich denke, dass der Zero Waste-Lebensstil in der Großstadt, in der es solche verpacktungsfreien Einkaufsmöglichkeiten gibt, sehr gut umsetzbar ist. Auch kann ich mir dies für den ländlichen Raum vorstellen, in dem es noch Hofläden gibt. In Kleinstädten könnte es schon etwas schwieriger werden. Dort scheinen mir Marktbesuche dann auf jeden Fall nötig, um sich mit verpackungsfreien Lebensmitteln versorgen zu können.

Für die Waschmaschine bringt mir meine Kollegin Lea Waschnüsse mit, die man einfach in einem Netz mit in die Maschine geben kann. Was den Hygienebereich betrifft, nutze ich für das Badezimmer ein festes Shampoo und eine Seife und putze meine Zähne mit der Bambuszahnbürste, sowie den Zahnputztabletten aus dem Unverpackt-Laden. Positiv fällt mir auf, dass die Produkte für die Körperhygiene sehr wenig Platz einnehmen, was vor allem bei meinem Wochenendausflug praktisch ist.

Zum Abschminken und als Pflege danach nutze ich Kokosöl, was erstaunlich gut funktioniert und super pflegt. Ratlos war ich jedoch bei dekorativer Kosmetik, da Schminke nahezu ausschließlich in Plastikbehältnissen verpackt ist. Im Internet finde ich aber Anleitungen, wie man z.B. Mascara oder Lippenstift selbst herstellen kann. Diesen Aufwand habe ich jedoch gemieden, da ich ohnehin noch mit genügend Vorräten versorgt bin. Selbiges gilt auch für Putzmittel, das noch zu Genüge in meiner WG vorhanden ist. Klar ist, dass die Umstellung auf Zero Waste ein Prozess ist, weshalb es nicht im Sinne der Sache ist, eine halbvolle Putzmittelflasche wegzuwerfen, nur weil diese in Plastik verpackt ist oder Plastik enthält. Ich finde jedoch viele Rezepte im Internet, für selbstgemachtes Putzmittel, die ich bald ausprobieren möchte.

Mein Fazit nach einer Woche
Der Zero Waste Lifestyle ist einfacher umsetzbar, als ich gedacht habe. Man muss mehr planen, was man essen möchte und kann nicht mal eben in der Mittagspause etwas spontan im Supermarkt kaufen. Vorkochen nimmt Zeit in Anspruch, aber ich finde diese Zeit nutzt man sinnvoll und spart dadurch auch Geld.
Was mir gefehlt hat waren Süßigkeiten. Kekse und Schokolade sind aufgrund der besseren Haltbarkeit immer verpackt. Schokolade gibt es zwar auch im Unverpackt-Laden, diese ist jedoch oft nicht vegan. Auch pflanzliche Milchalternativen sind immer in Tetra Packs abgefüllt. Diese können aber auch selbst hergestellt werden - kostet aber eben auch Zeit, wie es bei DIY-Kosmetik der Fall ist. Ich finde die Beschäftigung mit nachhaltigen Alternativen im Hygienebereich spannend und möchte gerne weiterhin die plastikfreien Produkte nutzen. Auch selbstgemachte Zahnpasta will ich mal ausprobieren. Im Laufe der Woche sind zwei leere Aufstrichgläser und eine Kekspackung an Müll angefallen. Erstere können beim nächsten Besuch im Unverpackt-Laden wieder genutzt werden. Letzteres landete im Papp- und Plastikmüll.

Werde ich so weitermachen?
Ich habe vor, auch in Zukunft viel verpackungsfrei einzukaufen. Weniger Müll zu erzeugen fühlt sich irgendwie ziemlich gut an. Dennoch werde ich auch verpackte Produkte kaufen, wenn die Zeit es nicht anders zulässt oder ich diese einfach gerne haben möchte. Auch eine Reduzierung des Konsums verpackter Produkte setzt ein Zeichen. Ich denke, dass sich durch die immer höhere Nachfrage an Zero Waste Produkten in Zukunft auch der Markt verändern wird. Im besten Falle so, dass kein Recycling mehr nötig ist und eben einfach kein Müll mehr anfällt.

Quellen:
UmweltWissen – Wasser. Mikroplastik in Gewässern
Bayrisches Landesamt für Umwelt - Plastikmüll Statistik 2016 und 2017
Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane. Plastikmüll im Meer – Zahlen und Fakten
The New Plastics Economy Rethinking the future of plastics, WORLD ECONOMIC FORUM, 2016.

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