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Zugezogen, wasserneutral und fair

“Wenn meine Seele einmal den Körper verlässt (Ja, ja)

Wird der alte Mann sagen: „Der Erfolg gibt mir Recht“ (Ja, ja)” 

So tönt es laut in unserem Studio an einem heißen Freitagmittag.

Der Soundtrack unseres Videodrehs besteht aus dem neuesten Song der berliner Rapper Zugezogen Maskulin in Dauerschleife. Der Song “Der Erfolg” ist einer der Gründe, weshalb die beiden Jungs Grim104 und Testo momentan für Wirbel sorgen. 

Bekannt ist das Duo für ihre typisch trashige Art, gesellschaftliche Themen aufzugreifen, zu parodieren und zu kritisieren. In ihrem zuletzt erschienenen Album zu ihrem 10-jährigen Bestehen namens “10 Jahre Abfuck geht es unter anderem um Alkoholkonsum, Erfolgsdruck und Überkompensation. 

In “Der Erfolg” stellen sich die Rapper die Frage, was alles als gerechtfertigt gilt, um erfolgreich zu sein. 

Kunst als Kommerz herzustellen, das fiel den Künstlern nie leicht, denn eines von beiden litt zwangsläufig immer darunter. 

Im Songtext wird geschildert, wie wir leben, wenn wir uns nur am Erfolg orientieren. Diesmal ist ihre Kritik allerdings nicht auf die textliche Ebene begrenzt, sondern auch in ihrem heute veröffentlichten Musikvideo zu sehen. 

 

Dieses Huftier spielt eine wichtige Rolle in dem Musikvideo.

 

Als Weltneuheit enthält das Musikvideo zu “Der Erfolg” keine strategisch unauffällig platzierte Werbung. Ganz nach dem Geschmack der zwei geht das noch krasser: Das Musikvideo ist 207 Sekunden lang durchgehend eine einzige Werbefläche. Jede einzelne Sekunde des Musikvideos wurde an Unternehmen und Privatpersonen verkauft, die das Video für ihre eigenen Werbezwecke nutzen. Statt Konzeption und Choreographien werden die Zuschauer*innen von Grim und Testo unterhalten, die von Social Media Handles, selbstgebastelten Memes und Promotions bedeckt werden, um zu demonstrieren, wie die Käuflichkeit ihrer Dienstleistungen sich auf ihr Verhalten auswirkt. Dazu rappen sie: 

“Du hast'n Partner, der dich liebt, aber hat er auch 'ne Modemarke?”

Damit zeigen sie auf, dass Statussymbole über Emotionen gestellt werden. Der Erfolg gibt ihnen dabei das Recht, alles richtig getan zu haben, ohne Rücksicht auf Verluste. Viele Menschen sind so beschäftigt mit der Suche nach den Superlativen, dass sie immer besser, schneller, mehr, häufiger, heftiger sein wollen, sodass sie sich von Oberflächlichkeiten blenden lassen und vergessen, die einfachen Dinge im Leben wertzuschätzen. 

 

Erfolgsdruck bringt uns an unsere Grenzen

Daran merken wir, dass wir an unsere Belastungsgrenze kommen. Diese Grenze existiert nicht nur physisch, sondern zeigt sich auch psychisch, wenn es uns vor einem weiteren Montag graut und gestresst sein unser Dauerzustand ist. Wir leben in einem Konsumklima, in dem es seit Beginn der Industrialisierung keine Zeit für Pausen gibt. Eine Pause ist nur gerechtfertigt, wenn auf sie umso mehr Arbeit und Anstrengung folgt. 

Um sich zu fragen, wer davon am Ende überhaupt wirklich profitiert, bleibt dann leider keine Zeit mehr. Oftmals gewinnen wir daraus nicht mehr, als wir investieren. Unser Glücksempfinden wird nicht größer, wenn wir keine Zeit haben, das Glück auszuleben, oder vernachlässigen, es wertzuschätzen. Übrig bleiben Überstunden, Dinge, die wir ungenutzt entsorgen und die immer weiter schwindende Motivation.

Nicht nur wir als Konsument*innen bekommen den Erfolgsdruck zu spüren. Die Menschen, die unsere Güter produzieren leiden unter dem unersättlichen Kaufrausch und die verheerenden Konsequenzen für die Umwelt werden erst bewusst, wenn sie bereits unumkehrbar sind.  Denn auch unsere Umwelt erreicht eine Belastungsgrenze. Nein, sie ist sogar bereits überschritten. 

Die endlichen Ressourcen der Erde genügen nicht, um unseren Konsum zu tilgen. Jedes Jahr erreichen und überschreiten wir die Belastungsgrenze, an der die Rohstoffe auf unserem Planeten bereits für das betroffene Jahr aufgebraucht sind. Dieses Jahr war der sogenannte Earth Overshoot Day am 22. August. Seitdem leben wir auf Kosten unserer zukünftigen Generationen.

Mit unseren Einkäufen sind wir verantwortlich dafür, wie es den Menschen geht, die an der Wertschöpfungskette unserer Konsumgüter beteiligt sind. Die Menschen und die Umwelt vor Ort werden ausgebeutet, um dem Preis- und Erfolgsdruck standzuhalten. Richtlinien, mit denen Arbeiter*innen und Natur geschützt und gerecht entlohnt werden, verblassen gegenüber der unmenschlichen Nachfrage. Wenn Erfolg so sehr verherrlicht wird, dass ignoriert wird, auf wessen Kosten er entsteht, dann müssen wir unser Konsum- und Arbeitsverhalten hinterfragen.

Wir können nicht aufhören, zu arbeiten und zu konsumieren, das wäre nicht realistisch und kontraproduktiv, aber wir können uns überlegen, wofür es sich lohnt. Es ist nicht nur wichtig, die Produktionsweise der Güter zu ändern, sondern wir müssen zeigen, dass wir auch bereit sind, unser Konsumverhalten zu verändern.

 

Konsumrevolution heißt die Nachfrage zu ändern

Daher sollten wir uns häufiger fragen, was sind unsere wichtigsten Werte? 

“Etwas Sinnvolles tun” das hören wir häufig bei HYDROPHIL, wenn wir unseren Kolleg*innen diese Frage stellen. Wie wäre es, wenn jede*r ein Ziel haben könnte, durch die Arbeit nicht nur sich selbst und den*die Arbeitgeber*in zu bereichern, sondern sich in die Situationen der Menschen, die unsere Güter herstellen hineinversetzen würde? Dadurch könnten wir unsere (Kauf-)entscheidungen nutzen, um unsere Werte zu multiplizieren. Wir können beeinflussen, wofür es sich lohnt, Zeit und Geld aufzuwenden. Das Gemeinwohl vor das Einzelwohl zu stellen, würde mehr Respekt gegenüber Mensch und Umwelt ermöglichen, weil diese Vorrang hätten.

Auch wir sind keineswegs fehlerfrei in unserem Konsumverhalten. Aber wenn wir alle damit anfangen, kleine Dinge zu verändern, verändern wir gemeinsam auch die große Nachfrage nach nachhaltig produzierten Gütern, klaren Gesetzgebungen zu Produktionsstandards der Zuliefer*innen und ökologischer Verantwortung. Dazu gehören kleine Veränderungen, wie Plastik im Alltag zu reduzieren. Wir können den Mehrweg-Weg gehen, reparieren, teilen und tauschen. Dinge, die wir neu kaufen, sollten wir gerne kaufen und ihnen Wertschätzung entgegenbringen. 

 

Deutsch-Rap und wir

Uns als Unternehmen ist es wichtig, nur Produkte zu produzieren, die wirklich nötig sind und unser Leben bereichern. Die Herstellung aller unserer Produkte erfolgt wasserschonend und unsere Zahnbürsten sind die ersten klimaneutralen Bürsten auf dem Markt. Außerdem verdient jede*r Beteiligte an der Wertschöpfungskette bei uns eine faire Entlohnung, die wir regelmäßig überprüfen. Dadurch, dass wir und Ihr bereits Eure Plastikzahnbürsten durch Bambuszahnbürsten ausgetauscht haben, lässt sich erkennen, dass die Konsumrevolution bereits begonnen hat!

 

Im Musikvideo zeigen wir kritisch die Zähne.

 

Zurück zu unserem Videodreh: Wir produzieren gerade unsere kostbaren fünf Sekunden für das erwähnte Musikvideo von Zugezogen Maskulin. Es baumelt eine demolierte Piñata von der Decke und zwei riesige Bambuszahnbürsten lehnen an der Wand. Unsere fünf Sekunden sind im Kasten. Denn wenn es um Gesellschaftskritik geht, möchten wir gerne für ein nachhaltiges Verhalten sensibilisieren. Zugezogen Maskulin schenkte uns mit ihrem Musikvideo einen Denkanstoß wie wir in wenigen Sekunden dem Massenkonsum mal richtig eins auf den Deckel geben können. Das haben wir auch ordentlich gemacht.

Zusätzlich können wir nun endlich “in einem Rap-Video auftauchen” von unserer Bucket-List streichen. 

Wie die Konsumrevolution, eine Piñata und Deutsch-Rap in fünf Sekunden passen, das schaut Ihr Euch am besten hier selbst im Musikvideo zu “Der Erfolg” an. Wir wünschen den Jungs von Zugezogen Maskulin ganz viel Freude mit Ihrem neuen Album und finden es toll, ein Teil Ihres einzigartigen Projektes zu sein.

 

 

Dieser Artikel wurde von Jessica verfasst.

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Veröffentlichung heute um 17 Uhr.